Mitsommernachtlauf

Mittsommernachtlauf oder 6 km gegen den inneren Schweinehund…

Seid einigen Jahren veranstaltet der CVJM – Dhünn den Mittsommernachtlauf. Die Laufstrecken gehen bei 3 km los und hören beim Halbmarathon (21 km irgendwas) wieder auf. Nachdem ich letztes Jahr die 6 km mitgewalkt bin, dachte ich mir, dieses Jahr machst du auf jeden Fall wieder mit, und verbesserst deine Zeit – die 6 Kilometer müssen unter einer Stunde gehen.

Laufteam 2018

So war es 2017   ……..

 

Kollege Zufall in Form meines Einstieges als Vorstandsmitglied in der evangelischen Jugendförderung brachte dann eins zum anderen… Wenn ich schon 6 km laufe- dann auch für einen guten Zweck, was liegt da jetzt näher als der Förderverein. Spender wurden schnell gefunden, von 2 Euro bis 50 Euro pro Kilometer war schnell alles vertreten. Kein Meeting /Vortreffen mehr ohne die Spendenliste im Gepäck zu haben.

Das Training für den Mittsommerlauf endete jäh nach den Osterferien… also aus Krankheitsgründen fast 5 Wochen Pause… da war an die Zeit unter einer Stunde schon nicht mehr zu denken … Absagen? Innerlich ein paarmal drüber nachgedacht, aber dann ist ja auch die Knete weg… Also Aufgeben Fehlanzeige.. bin ich halt LETZTE im Ziel – Hauptsache der Rubel rollt.

5 Tage vor Start noch schnell neue Schuhe und Walkingstöcke gekauft (Nico – danke für diese kompetente Beratung) und einmal kurz zum Höhentraining ins Milchborntal – das muss jetzt als Vorbereitung reichen. Aus gut unterrichteten Quellen wusste ich, die Strecke ist die vom Vorjahr – da weiß man ja was auf einen zukommt…

Die Onlineanmeldung um einen Tag verpasst, startete um 15:00 Uhr die Reise in Herkenrath. Mit heißen Reifen nach Dhünn und 15 Minuten vor Anmeldeschluss noch fluchs für die 6km Strecke angemeldet, das Startgeld entrichtet, ein schönes Halstuch geschenkt bekommen und die ersten bekannten Gesichter entdeckt. Also – jetzt gibt’s kein Zurück mehr… und schon pochte die Frage im Kopf; „WARUM“?

Um 17:00 Uhr fiel der Startschuss für den 3 Kilometer Dorflauf… Dutzende Kinder mit ihren Vätern und Müttern liefen die kleinen Gässchen in Dhünn entlang…

Auf dem Dorfplatz wuchs die Zahl derer die im Sportdress die ersten Dehnübungen machten, die Streckenverläufe durch gingen, ihre Handys startklar machten. Alle Läufer gut erkennbar durch ihre Startnummern. Und wieder traf ich den ein oder anderen Bekannten, Teen Camper, Michelstadtfahrer. Man kennt sich halt, der ein oder andere selbst im Laufdress, als Zuschauer, Helfer, Streckenposten usw.

Nachdem die 3 Kilometerläufer die Ziellinie überquert hatten und die Siegerehrung vollzogen war gab es eine Andacht von Robert Dahlhoff, wobei ich nur die ersten 5 Sätze gehört habe und dann abgelenkt wurde durch die eigene Aufregung… sitzen die Schuhe, fester oder lockerer, noch mal kurz zur Toilette oder später… Kopfhörer schon in die Ohren oder erst später… Fragen über Fragen, da Verklungen die letzten Zeilen der Predigt im Gedankensumpf.

Aufstellen der Halbmarathonläufer… 18:oo Uhr … und schon liefen sie davon… und durchs Mikro ertönte alle Läufer der 6 und 10 Kilometer bitte zur Startlinie, die Walker bitte dahinter…

Kein Zurück mehr… Schnell Runtastik angeschaltet, wollte ja wissen wie meine Zeiten sind, Kopfhörer in die Ohren- Musik läuft schon und… los geht’s…

Überall Stöcke, und noch mehr Stöcke.. jetzt nur nicht hinfallen, das ist peinlich vor versammelter Dhünnscher Bevölkerung auf dem Dorfplatz… Schnell ging es den allbekannten Berg runter am Kindergarten und Sportplatz vorbei Richtung Stelzmühle. Die ersten Walker waren schon außer Sichtweite… naja egal.. bist du halt Letzte, Hauptsache Knete… immer den blauen Bändern folgend ging es vorbei an schönen Häusern, kleinen Feldern durch nette Straßen mit überall in den Vorgärten bei Grillgut und Bier sitzenden Zuschauern… (ich will jetzt auch Grillen…). Die ersten Läufer der 10 Kilometerstrecke joggen fröhlich an mir vorbei, sehen blendend aus, und ich fange an einen roten Kopf zu bekommen. An der Knochenmühle (die Ortsnamen sind aber auch „nett“) wurde man freundlich von 2 Bläsern begrüßt… Go tell it on the Mountain ist eine nette Einstimmung auf 1 Kilometer über Stock und Stein Berg hoch… Der fiese Berg…

Aber bergauf bin ich flott unterwegs… mit guter Musik, einen letzten Trompetenklang geht es auf zur Bergstrecke… die große Kunst besteht darin – oben anzukommen, wenn möglich in einer Gangart die nicht einer Schnecke gleicht, die Schnappatmung die nach den ersten 3 Metern einsetzte sollte nicht zu laut sein, man will ja nicht die anderen Walker stören.. Seid Kilometer 1 bin ich immer im Windschatten eines netten älteren Herren gewalkt… den ich mit einem kleinen Pläuschchen überholen konnte… klingt zwar fies, aber das tut schon gut, wenn du merkst… yes da kannst du einen überholen… aber bei der Bergrunterstrecke bin ich sauschlecht, da holt er mich eh wieder ein… Der nette Herr meinte fröhlich.. wenn ich gewusst hätte, das es hier lang geht, hätte ich mir das aber noch mal überleg“ … kann der Gedanken lesen.. langsam ist das Schnaufen nicht mehr schön zu reden, zum Glück ist die Musik vom Tempo her gut und im Ohr hab ich meine alte Tanzlehrerin, die immer feierlich zählte:“ und eins und zwei und drei und.. acht und von vorne…“ mit den Gedanken quäl ich mich den Berg hoch… die Beine werden schwer und die Tante von Runtastik hat noch nicht gesagt das wir bei Kilometer 2 sind… grrrr, das Knie fängt an weh zu tun, und so langsam bekomm ich Seitenstiche… die sind aber jetzt ganz blöd…  noch um 2 Kurven und der „scheiß“ Berg ist geschafft.

Der blöde Berg ist bezwungen!! Nach einer scharfen Rechtskurve geht es weiter bergauf, über einen schottrigen Feldweg, da erklingt endlich die 2 km Marke… Juhuuuu… endlich.. und die Zeit ist mit 9,26 sensationell… weiter geht’s die Motivation steigt… der Schotterweg zieht sich durch einige Felder an einem kleinen Wäldchen vorbei und endlich geht es auch wieder Berg runter… die Freude dauert genau 3 Minuten … in der Senke steht der Vorsitzende des CVJM Dhünns und feuert mich an.. das motiviert… also auf zur nächsten Bergwertung… diesmal auf der Straße wieder vorbei an Wiesen und Feldern, an Vorgärten wo wieder liebe Menschen bei Grillgut und Kölsch sitzen und anfeuern… (Ich will auch ein Kölsch….) Weiter geht’s durch kleine Dörfchen…. und die ersten 10 Kilometerläufer überholen mich links und rechts… jetzt nur nicht verleiten lassen mitzuhalten… mit guter Musik (ich glaube streckenweise hab ich auch laut mitgesungen- ich war so in Gedanken vertieft ;))

Da ertönt die freundliche Stimme 3 Kilometer – die Rundenzeit – Sensationell 9:00 – gleich geht’s aber bergab… das wird dann eher nix… mit den 9 Minuten… die Motivation ist auf dem Höchstpunkt – überall an den Straßenkreuzungen stehen nette Streckenposten die einem nicht nur den Weg weisen sondern auch noch ein Lächeln und einen netten Spruch mit auf den Weg geben… Bergab geht es jetzt… da fängt doch direkt wieder das Knie an zu ziepen… das kann ich jetzt gar nicht brauchen… aber es nützt ja nix 2 km fehlen noch!!!

Die nächste Horde 10 km Läufer joggt fröhlich an mir vorbei… Vorsicht mit den Stöcken ist geboten, nicht das einer darüber fällt. Endlich wird auch die Strecke wieder schöner …. Es geht leicht bergauf und ich weiß hinter den nächsten Kurven lauert eine fiese kleine Bergkuppe… die ist so gemein versteckt, das man nicht damit rechnet das es auf einmal knackig steil wird… Also Kräfte sammeln, konzentrieren, immer schön bis 8 Zählen und los geht’s… Zur Freude erzählt die Runtastiktante auch das wir es zu Kilometer 4 geschafft haben… die Zeit – ein Trauerspiel…10:45 – ein kleines Sch…. entfährt mir aber ich denke nur noch ans Ankommen… Noch 2 Kilometer, dann ist die Schinderei auch vorbei und ich bin nicht die Letzte… den hinter mir sind immer noch 3 Leute… Zwischen Wiesen und Feldern geht es auf zu den 5 Kilometer… immer mehr 10 KM Läufer überholen mich… richtig deprimierend wurde es als eine blode Hünin, elfengleich an mir vorbei schwebte… im lockeren Laufschritt mit frisch ondolierten Haaren die aussehen als ob ein Starfriseur Hand angelegt hat, frisch gestylt vom Make Up Artist und im hippesten neonfarbenen Sportdress. Da war ich den ersten Komplexen verdammt nahe… Da konnte ich mit meinem roten Kopf, den Kirchenshirt und der Schnappatmung nicht mithalten… auch die ersten Bekannten überholen mich und geben kleine Motivationssprüche mit auf den Weg. Mitten auf einer Wiese vor dem Wald neben mir steht ein uralter Kühlwagen einer bekannten Bierbrauerei – ihr könnt euch nicht vorstellen wie sehr man ab diesem Moment ein Kölsch trinken möchte.  Auf einmal wird’s neben mir gesellig. Einer der Läufer wandert festen Schrittes neben mir her. „Hört der Berg den nie auf, geht’s auch mal wieder runter und wie lange noch“ fragte mich der gutaussehende Feuerwehrmann aus Wuppertal… passend zur Frage gab mir die Tante von Runtastik zu verstehen das ich den nächsten Kilometer geschafft habe… die Zeit ist mit 10:06 auch wieder passabel… „Noch den Berg hier, dann geht’s bergab wieder Richtung Dhünn und noch knapp 1 Kilometer“ antwortetet ich… Freundlich lächelnd joggte der Feuerwehrmann weiter… Alleine ging es auf den letzten Kilometer. Vorbei am Ortsschild Dhünn an der Straße entlang zu einem Feld, querfeldein ging es zu meinem persönlichen Horrorstück… durch den Wald – bergab ;(

Aaron Gramstat, der wohl jüngste Streckenposten leitete mich auf den Waldweg. Über Stock und Stein über fiese Wurzeln und Spalten ging es die wohl unschönste Strecke einen steilen Berg runter durch den Wald. Man muss schon höllisch aufpassen, dass man nirgendwo hängen bleibt, oder umknickt. Grade frage ich mich auch schon wieder ziemlich laut wie ich auf diese Schnapsidee kommen konnte. Also machte ich mich nicht mehr auf die Musik hörend sondern leise fluchend auf dem Weg. Die Runtastikelse teilt mir grade mit, dass ich den Kilometer 6 in 10:32 absolviert habe. Stopp mal… Kilometer 6 und ich bin mitten im Wald… und noch ist das Ziel nicht in Sicht… grrrrrr… das sind dann wohl mehr wie 6 KM das trägt grade nicht zur besseren Laune bei!!! Also weiter geht’s – was für ne Schinderei… der Wald ist echt nervig… die gute Stimmung sinkt… hinter mir taucht auch im Windschatten der ältere Herr auf den ich vorhin erfolgreich überholt hatte. Also – konzentrieren, atmen, und weiter… die Kohle gibt’s erst wenn du ankommst, nicht wenn du jetzt schlapp machst… der Wald lichtet sich und der vertraute Aschenplatz rückt ins Blickfeld. Die letzten Streckenposten leiten mich wieder mal querfeldein über eine Wiese zurück zur Stelzmühle… den Weg kenn ich doch… nach der letzten Kurve biege ich auf den Zielberg ein. Der hat es noch mal in sich… Jetzt gibt’s kein Halten mehr… dieses Sch… berg denn schaffe ich jetzt auch noch, am Hotel vorbei sehe ich schon die Ziellinie, auf den letzten Metern wird man frenetisch angefeuert beklatscht, und somit förmlich ins Ziel getragen. Altbekannte Gesichter rufen meinen Namen, jetzt noch mal das Tempo erhöhen, Brust raus, Bauch rein, und ja keine Schnappatmung bekommen, locker mit einem Lächeln im Gesicht, streife ich an der Zeiterfassung vorbei.. es piept 2 mal… Zeit erfasst – geschafft!!!!!

Handy raus, Runtastik beendet (die letzten 800 Meter waren zeitlich jetzt auch nicht mehr nennenswert) Hauptsache geschafft, mit einer Apfelschorle in der Hand ging es zu Freunden und Bekannten, die mir gratulierten… Mittlerweile hatte sich auch rum gesprochen dass ich mir Sponsoren für die 6km gesucht hatte und nur das Ankommen wichtig war und nicht das Verbessern meiner Zeit 😉

Wenig später folgte die Siegerehrung: 48 Minuten irgendwas legte der Sieger vor, da konnte ich mit meiner 1:07:18 natürlich nicht mithalten.

Fazit nach 6, 8 Kilometern… Es war super, den inneren Schweinehund zu besiegen!!! Nur mit einem kleinen Training von 3 Kilometern war zeitlich nicht mehr machbar, aber mal ehrlich… wer achtet auf die Zeit wenn die Fördervereinskasse klingelt!!!

An dieser Stelle möchte ich einigen ganz herzlich DANKE sagen.

Allen voran dem CVJM Dhünn für die tolle Organisation dieser Veranstaltung. Vom Streckenposten bis zur Bewirtung ein Traum.

Allen die mich gepuscht und motiviert haben mit zumachen, Fahrdienst, Dusche, Startgeld etc.

Und Euch – meinen lieben Sponsoren.. oft hab ich mir auf den 6,8 Kilometern gedacht, warum machst du so einen Sch… du musst echt verrückt geworden sein… euer Vertrauen in mein Ankommen und eure Euros haben mich die Strecke schaffen lassen… 1000 DANK 😉

Ich habe mir überlegt – vielleicht gründe ich einen spontanen Lauftreff, dann könnt ihr nächstes Jahr selbst mit Walken/Laufen von 3 km bis zum Halbmarathon ist alles möglich. Ich bin wieder mit dabei und zähl auf Euch.

Schade das ihr die kleinen Gässchen, die verträumten Winkel und süßen Häuschen, die interessanten Ortsnamen und all das was ich hier versucht habe zu schreiben, nicht sehen könnt. Ich hätte zu gerne Fotos gemacht. vielleicht überlege ich mir da was fürs kommende Jahr 😉

 

Eure Steffie